Von der Streuobstwiese auf die große Bühne: Schule am Michaelsberg gewinnt beim bundesweiten Handwerkswettbewerb den Carmen Würth Preis
Großer Erfolg für die Schule am Michaelsberg: Mit dem Projekt „Bau einer Hütte als Basis-Station für die geplante Waldklasse“ wurde die Schule beim bundesweiten Handwerkswettbewerb „MACH WAS!“ der Würth-Gruppe mit dem „Carmen Würth Preis der Stiftung Würth“ ausgezeichnet. Gegen 200 teilnehmende Schulen aus ganz Deutschland setzte sich das Projekt durch und brachte den „Goldenen Hammer“ nach Sinsheim.
Als Stefan Würth, Lehrer an der Schule am Michaelsberg, am 4. September 2025 den Brief aus seinem Fach holte, da ahnte er noch nicht, welche Dynamik und welches grandiose Finale dieses Blatt Papier entfalten sollte. „Mach was!“ stand da auf dem Schreiben des Würth-Konzerns in Künzelsau. 1.000 Euro Fördergeld, eine Grundausstattung an Werkzeugen und T-Shirts waren ausgelobt, wenn das Schulteam am „MACH WAS! Handwerkswettbewerb“ teilnehmen würde. Jede handwerkliche Idee zur Aufwertung des Schulgeländes sei willkommen. Bewerbungsschluss war der 15. Oktober 2025.
Stefan Würth, seine 17 Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 und die Kolleg*innen waren elektrisiert. Jede Woche gibt es an der Schule am Michaelsberg eine Outdoor-AG. Auf einer von der Stadt gepachteten Streuobstwiese ernten die Schüler im Herbst Äpfel, pressen und konservieren Apfelsaft. Auf diesem Grundstück soll eine „Waldklasse“ eingerichtet werden, bei der die Schülerinnen und Schüler ganz oft draußen wären und von der Natur lernen könnten. Hierfür wäre eine Hütte ideal. Schnell war klar: „Wir machen mit und machen was!“
Die Bewerbung wurde eingereicht und sie wurde angenommen. Schüler und Lehrer waren happy, aber jetzt begann für alle eine aufregende Zeit: Kein Schüler hatte bisher so eine Holzhütte gebaut. Wie können wir dieses Megaprojekt umsetzen? Wer kann uns dabei unterstützen? Die Schüler der Technikklassen nutzten mit den Lehrern und Arbeitserziehern jede Technikstunde und darüber hinaus zur Projektplanung. Startschuss war der 1. Dezember 2025 und bis Ostern 2026 musste alles fertig sein. Die Zeit drängte. Arbeitsgruppen für das Baumaterial, der Vorbereitung des Grundstücks und die Transporte wurden gebildet. Pünktlich zum Start kamen von der Firma Würth die Grundausstattung: ein hochwertiger Werkzeugkoffer, und für alle Schüler MACH WAS-T-Shirts. Die 1000 Euro Fördergeld waren zwar ein gutes Startkapital, würden aber nicht reichen. Bei einem Wettbewerb der Spardabank gewannen die Schüler 500 Euro. Mit einem Arbeitseinsatz an drei Tagen im Stadtmuseum verdienten sie weitere 500 Euro.
Die Schüler machten eine neue Erfahrung: Von allen Seiten wurden sie für ihr Projekt unterstützt. Dazu wollten sie die Hütte hauptsächlich aus nachhaltigen Werkstoffen erstellen. Aus Zuzenhausen wurden 120 lange Bretter für die Außenfassade spendiert, die in einer Scheune lagerten. Alte Paletten wurden in der eigenen Schreinerei auseinandergenommen, entnagelt und gehobelt. Die Hobelspäne wurden in der Brikettier Maschine, zu Holzbriketts verpresst. Ganz aufgeregt war die Schülergruppe vor dem Gespräch mit dem Grundstückseigentümer, der Stadt Sinsheim. Gleich drei Mitarbeiter*innen der Stadt samt Amtsleiter nahmen sich die Zeit und waren vom Projekt begeistert. Es wurde ein Vertrag geschlossen: Pacht gegen Pflege.
Auf dem Pachtgrundstück mussten nun die Obstbäume geschnitten, mit dem Schnittgut eine Benjeshecke angelegt, ein alter Baum gefällt und ein junger Baum gepflanzt werden.
Vom Sägewerk Mayer bekamen die Schüler zum Sonderpreis Dielen für die Plattform und Kanthölzer für die Rahmen. Die Dielen wurden auf Dicke gehobelt, gefälzt, gefasst und mit Holzschutzöl behandelt. Die vorbereiteten Kanthölzer wurden zum Rahmen verschraubt. Die Schüler hatten mitten im Winter begonnen und als endlich das Wetter besser wurde, konnte auf dem Hanggrundstück die Plattform auf 13 Stelzen errichtet werden. Besonders kreativ zeigte sich die Projektgruppe beim Transport der Bauteile. Ursprünglich sollten große Teile der Hütte bereits in der Schule vormontiert werden. Da jedoch weder ein geeigneter Transporter noch ausreichende Hebemöglichkeiten zur Verfügung standen, wurde der fertige Rahmen schließlich auf einem großen Kanu-Anhänger zur Streuobstwiese transportiert – langsam, sorgfältig gesichert und mit viel Improvisationstalent.
Ein Problem war noch das Dach. Doch Haustechniker Manuel Eiermann, ein gelernter Zimmermann, stellte den Kontakt zur Firma „Dachbleche24.de“ her. Die Schüler fragten nach kostenlosen Restschnitten oder Verschnitten von Trapezblech und bekamen das komplette Material fürs Dach gesponsert. Gemeinsam mit den Schülern begleitete Manuel Eiermann anschließend auch den Aufbau der Dachkonstruktion. Als Stützen für das Vordach bereiteten die Schüler mit ihrem Arbeitserzieher Heiko Freiberger Naturstämme vor: sägen, Rinde abschälen, streichen und montieren. Ein echter Hingucker!
Selbst bei der Wahl der Dämmung wurde diskutiert und abgewogen. Während ein Teil der Gruppe natürliche Materialien bevorzugte, entschied man sich letztlich für gespendete Styropor-Restbestände. Dadurch konnten Ressourcen geschont, Kosten eingespart und vorhandene Materialien sinnvoll weiterverwendet werden, auch wenn der Einbau in die Rahmen ein Puzzlespiel war. Jetzt wurde parallel innen und außen gearbeitet. Das Innenausbauteam montierte OSB-Platten an den Wänden und der Decke. Das Außenteam baute die Außenfassade in Boden-Deckel-Verschalung. Als Beitrag zum Artenschutz wurde ein großen Insektenhotel und verschiedene Nistkästen der hauseigenen Schülerfirma MIDENA (MitDErNAtur) aufgehängt. Zur Hütte wurde noch eine Treppe gebaut und rechtzeitig vor den Osterferien war alles fertig.
Zunächst erhielt die Schule die Nachricht, dass das Projekt zu den 50 besten Einsendungen Deutschlands gehört. Bereits dies war eine große Anerkennung für die geleistete Arbeit.
Anschließend folgte die nächste Runde: Fünf Plätze wurden über ein öffentliches Online-Voting vergeben, weitere fünf durch eine Fachjury bestimmt. Nach Abschluss der Bewertungen stand fest, dass die Schule am Michaelsberg zu den zehn besten Schulen Deutschlands zählt.
Im Juni kam dann die große Nachricht: Die Fachjury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Würth-Geschäftsleitung, der Handwerkskammern sowie renommierten Handwerksmeistern, verlieh der Schule am Michaelsberg den „Carmen Würth Preis der Stiftung Würth“. Der Jubel beim Projektteam kannte keine Grenzen: Wir fahren zur Siegerehrung!
Ein Bus holte die 17 Schüler mit vier betreuenden Lehrkräften und zwei Meistern der Schreinerei zur Preisverleihung in Künzelsau ab. Es sollten zwei unvergessliche Tage werden. Schüler, die selten auf der Sonnenseite des Lebens leben, standen in der Würth Firmenzentrale auf der Bühne und nahmen unter starkem Applaus den Preis samt Goldenen Hammer in Empfang. Danach konnten die Sinsheimer den Sieg auf dem Festivalgelände beim Würth Open Air mit Zucchero, Alphaville und Anastacia feiern. Bestens erholt nach einer Nacht im Panoramahotel Waldenburg ging es für das siegreiche Sinsheimer Team wieder zurück in den heimischen Kraichgau. Für Lehrer Stefan Würth haben viele zu diesem großen Erfolg beigetragen. „Wir wurden von der Schulleitung, der Stadt Sinsheim, dem Handwerkern und vielen Unternehmen großartig unterstützt und sind Ihnen sehr dankbar.“ Für die Schüler sei das Projekt mit seinen Herausforderungen und Anstrengungen, dem Erfolg und der Preisverleihung auf der Bühne eine wertvolle Erfahrung und Erlebnis gewesen. „Das vergessen sie ihr ganzes Leben nicht.“
Projektdokumentation Handwerkswettbewerb April 2026