Sozialpädagogik im Stift Sunnisheim

Ziele unserer Arbeit

Wir helfen Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen, die aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen und psychischen Schwierigkeiten in ihrem familiären und sozialen Umfeld nicht mehr zu recht kommen. Die Probleme äußern sich in Lern- und Leistungsdefiziten in der Schule und in der Ausbildung, Konflikten in der Herkunftsfamilie, mangelnder Einhaltung von Regeln des Zusammenlebens, geringer Konfliktfähigkeit, fehlendem Realitätssinn und einer falscher Selbsteinschätzung, planlosem Freizeitverhalten, Suchtgefährdung und Delinquenz.

Wir fördern die positiven Ansätze der jungen Menschen und helfen ihnen, die Störungen und Defizite in ihrer emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung zu überwinden. Sie lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, Konflikte gewaltfrei und konstruktiv zu lösen, ihre Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen und konstant schulische und berufliche Leistungen zu erbringen. Dadurch entwickeln und stärken sie ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Ihre künftigen Beziehungen sollen von gegenseitigem Respekt und Zuverlässigkeit getragen sein. Ein ordentlicher Schul- oder Berufsausbildungsabschluss wird angestrebt, um die jungen Menschen zu fordern, ihnen zu Erfolgen zu verhelfen und ihre soziale Integration in das Gemeinwesen zu erleichtern.

Je nach familiären Voraussetzungen und individuellem Entwicklungsverlauf führen wir die Jugendlichen in ihre Herkunftsfamilie zurück oder begleiten sie in die Selbständigkeit.

Arbeitsweisen und Methoden – Sozialpädagogik

Wir unterstützen die jungen Menschen durch ambulante, teilstationäre oder stationäre sozialpädagogische Betreuung und Förderung, durch verlässliche, motivierende und belastbare Beziehungen zu den pädagogischen Fachkräften und durch Einbindung in einen geregelten Alltag. Damit verbunden ist der Besuch unserer Schule für Erziehungshilfe oder eine Ausbildung beziehungsweise berufliche Vorbereitung in unseren Werkstätten.

Die Einbeziehung und Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein wichtiger Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit. Durch engen Austausch und Besuche möchten wir eine tragfähige Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit herstellen. Die Eltern werden regelmäßig über die Entwicklung ihres Kindes informiert, sind bei der Hilfeplanung beteiligt und tragen alle wichtigen Entscheidungen mit.

In den Wohngruppen werden die Jugendlichen von einem Team aus sozialpädagogischen Fachkräften rund um die Uhr betreut. Darin eingeschlossen ist auch die Nachtbereitschaft durch einen Mitarbeiter aus dem Erzieherteam. Die Betreuer werden durch Leitungskräfte und Fachdienste unterstützt und erhalten regelmäßig Teamsupervision. Besonderen Wert legen wir auf eine enge Zusammenarbeit zwischen den Erziehungsgruppen, den Ausbildungsbetrieben und den Schulen, wobei die räumliche Nähe dieser Bereiche auf dem Heimgelände dabei sehr von Vorteil ist.

Zu Beginn der Hilfe erfolgt in einer achtwöchigen Eingangsphase für alle Neuaufnahmen eine intensive Beobachtung und Dokumentation in allen Lebensbereichen (Wohngruppe, Werkstatt, Schule). Dadurch gewinnen wir eine differenzierte und fundierte Grundlage für die Planung und Förderung des Jugendlichen. Weitere wichtige Bestandteile dieser Phase sind das Soziale Kompetenztraining sowie die Potenzialanalyse. Die Ergebnisse aus der Eingangsphase fließen in das erste Hilfeplangespräch ein.

Unser differenziertes Wohn- und Betreuungsangebot ermöglicht den Jugendlichen und jungen Volljährigen, beginnend mit dem engen Rahmen der internen Erziehungsgruppen, die schrittweise Verselbständigung. Durch den geplanten Wechsel in ein Appartement auf dem Heimgelände, in eine Außenwohngruppe, in eine Jugendwohngemeinschaft oder in das Betreute Einzelwohnen erweitern sich für die jungen Menschen der Freiheitsraum und die Selbstverantwortung.

Nach dem Heimaufenthalt können die jungen Volljährigen durch eine individuelle Nachbetreuung weitere Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags erhalten.

Flankierende Hilfen und Kooperationen

Durch ein Netzwerk flankierender Hilfen werden wir den individuellen Erfordernissen jedes Kindes und Jugendlichen gerecht.

Unser psychologischer Dienst ist im Einzelfall am Aufnahmeverfahren beteiligt, ist für die diagnostische Abklärung verantwortlich und leistet systemisch orientierte Therapie. Ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie unterstützt uns durch regelmäßige Sprechstunden in der Einrichtung. Darüber hinaus arbeiten wir mit den regionalen kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken bei Bedarf eng zusammen.

Ebenso kooperieren wir mit der Sucht- und Drogenberatungsstelle vor Ort und im Einzelfall mit Suchtkliniken. Für den pädagogischen Umgang mit Drogen konsumierenden Jugendlichen haben wir ein spezielles Handlungskonzept entwickelt.

Auch delinquente Jugendliche erhalten bei uns eine Chance, sofern bei ihnen die Motivation zur Mitarbeit und Regeleinhaltung sowie eine Distanzierung von kriminellen Handlungen erkennbar sind. Dabei arbeiten wir eng mit der Jugendgerichtshilfe, dem Jugendrichter und dem Bewährungshelfer zusammen.

Ein besonderes Anliegen in unserer fachlichen Ausprägung ist die Gewaltprävention. Unsere Mitarbeiter nehmen an entsprechenden Seminaren und Ausbildungen teil. Wir bieten Anti – Aggressivitäts – und Coolness – Trainings für Jugendliche sowohl von innerhalb als auch von außerhalb der Einrichtung an.

Tagesablauf

Die Betreuung und sozialpädagogische Förderung in den Wohngruppen, in den Tagesgruppen und in der Sozialen Gruppenarbeit ist durch einen klar strukturierten Tagesablauf gekennzeichnet.

Der Alltag in den Wohngruppen beinhaltet festgelegte Zeiten für das morgendliche Aufstehen und Frühstücken, den Besuch der Schule und der Ausbildung, das Mittagessen, die Erledigung der Hausaufgaben und die Aktivitäten nach Feierabend, einschließlich des Bettgangs und der Nachtruhe.

Die Kinder und Jugendlichen erledigen mit Unterstützung der Erzieher hauswirtschaftliche Pflichten (Selbstversorgung, Reinigungs- und Ordnungsdienste), planen und führen gemeinsame freizeitpädagogische Aktivitäten durch und haben im Rahmen verbindlicher Absprachen die Möglichkeit, selbständig etwas zu unternehmen. Regelmäßig finden verpflichtende Gruppengespräche statt, die Fragen des Zusammenlebens und der gemeinsamen Freizeitgestaltung zum Thema haben. Die Einteilung des Taschengeldes und der Ausbildungsvergütung liegt zu Beginn in den Händen der Erzieher und geht schrittweise, je nach Zuverlässigkeit des Jugendlichen, auf diesen über. Die Häufigkeit der Wochenendheimfahrten und die Ferienbeurlaubungen sind mit den Eltern und dem Jugendamt abgesprochen und im Hilfeplan festgelegt.

Der geregelte Tagesablauf und die Ansprache und Zuwendung von Seiten der Erzieher geben den Kindern und Jugendlichen Orientierung und Hilfen bei der Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten. Dabei legen wir auch Wert darauf, dass sich die Jugendlichen aktiv und konstruktiv in das Geschehen einbringen und in der Gruppe wohl fühlen.

Freizeit

Aktive und kreative Freizeitgestaltung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil unseres pädagogischen Konzepts. In einer großen Anzahl sportlicher und musischer Angebote haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten und eigene Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Im Wochenplan sind kontinuierliche gruppenübergreifende Angebote, die von den Erziehern geleitet werden, festgeschrieben.

Der Schwerpunkt liegt bei sportlichen Betätigungen, insbesondere Ballspielen, aber auch musisch Interessierte kommen durch Mitwirkung in der Stiftsband oder in der Theater – AG zum Zug. In regelmäßigen Kochkursen bereiten sich die Jugendlichen auf ihre künftige Selbstverpflegung vor.

In den monatlich stattfindenden Sitzungen des Jungen – Heimrats, der sich aus den gewählten Sprechern aus den Wohngruppen zusammensetzt, üben die Jugendlichen, unterstützt durch die Heimleitung, demokratische Spielregeln ein und nehmen Einfluss auf die Gestaltung des Heimalltags.

Im Jahresverlauf finden während der Sommer- und Winterferien betreute Freizeiten statt, ebenso Gruppenfreizeiten an den Wochenenden.

Neben dem heiminternen Freizeitangebot bemühen wir uns auch darum, die Jugendlichen in örtliche Vereine und Organisationen einzugliedern, um ihnen zusätzliche Übungsfelder und Entwicklungschancen zu eröffnen.